aspern Seestadt, D9

Maria-Tusch-Straße 11-13
1220 Wien

Daten:
170 geförderte Mietwohnungen,
aufgeteilt auf 5 Baukörper,
Größen von 42 bis 107 m²,
mit Balkonen und Terrassen.

Alle Wohnungen vergeben!

Lageplan:

Kontakt zu diesem Projekt:
Herr Rudolf Burner
Tel.: +43 676 630 83 73
eMail: hausverwaltung@gartenheim.at

das „haus im leben”


Architektur

Das Ziel des vorliegenden Projekts ist es für die Seestadt Aspern einen prototypischen Stadtbaustein zu entwickeln, der spezifisch genug ist, um die bereits bekannten Anforderungen an Gebäude in Aspern zu erfüllen und flexibel genug, um auf noch unbekannte, zukünftige Anforderungen einer neu entstehenden Stadt reagieren zu können.

Die äußere Form dieses Prototyps sollte einen lebenswerten Stadtraum erzeugen. In seinem Inneren muss er hochwertige und flexibel nutzbare Wohn-, Arbeits- und Geschäftsflächen bereitstellen und bestenfalls durch seine Struktur dafür sorgen, dass das Leben in seinem Inneren zu einem Zusammenleben wird.


Stadtraum

Räume definieren
Die Außenfassaden der Baukörper folgen allseitig den Grundstückskanten. Die angrenzenden Platz- und Straßenräume werden so klar definiert und gestärkt.

Belebung des Stadtraums durch Kommunikation
Die Gebäude springen allseitig um 3m von der Grundstückskante nach innen. Die frei werdende Fläche kommt dem öffentlichen Raum zugute. Es entsteht eine dreidimensionale Kommunikationszone zwischen Haus und Stadtraum:

In den Obergeschoßen wird diese Zone durch Balkone definiert, die den BewohnerInnen das direkte Miterleben und auch das Mitgestalten des umliegenden Stadtraumes ermöglichen.

Im Erdgeschoß gibt es hier den Hauseingängen zugeordnet zahlreiche Sitzgelegenheiten im Schutze der Hauswand mit Blick aufs Straßenleben. Außerdem können sich hier die Geschäfte präsentieren.

Belebung des Stadtraums durch die Fassaden
Zweiteilung der Fassaden: Die oberen Geschoße, die hauptsächlich der Wohnnutzung dienen, werden zurückhaltend gestaltet und bilden den ruhigen Hintergrund fürs Stadtleben.

Im Hauptblickfeld der Passanten liegt der Gebäudesockel, der aus dem 4m hohen Erdgeschoß und dem 3m hohen 1. Obergeschoß besteht. Jedes hier angesiedelte Gewerbe kann sich auf der ihm zugehörigen Fassade seinem Charakter entsprechend präsentieren und so ins Stadtleben hinein wirken. Auf diese Weise sorgt die Straße quasi von selbst für Heterogenität und Vermeidung von Langeweile.

Belebung des Stadtraums durch Erweiterung des Typologie-Angebots
Unser Konzept erweitert das Angebot von Stadtraum-Typologien und macht dadurch Spaziergänge in Aspern abwechslungsreicher:
  • Versteckter Waldhof: der gesamte, öffentlich zugängliche Innenhof unseres Gebäudeensembles wird um ein Geschoss angehoben und bewaldet. Es entsteht mitten in der neuen Stadt ein zurückgezogener, stiller Aufenthaltsraum, der aus sicherer Höhe einen guten Überblick über die Stadt bildet.

  • Freitreppen: Erschlossen wird der Waldhof durch zwei Freitreppen-Parks, die sich jeweils zu den angrenzenden, öffentlichen Platzflächen öffnen und hochgelegene Sitzmöglichkeiten bieten.

  • Rampenpark: die barrierefreie Erschließung des Waldfhofs erfolgt über eine 4% geneigte Rampenanlage, die zum von Bäumen gesäumten Spazierweg wird.

  • Stiegengassen: Schmale Fugen zwischen den Baukörpern erlauben überraschend den Blick auf den hochgelegenen Wald. Schmale Stiegen lenken vom Weg ab.

Identität
Die prägnante Form der Baukörper mit ihren sehr unterschiedlich proportionierten Fassaden von turmartig emporstrebend bis ruhig liegend schafft eine eigene formale Identität.

Einbindung
Die neu geschaffenen Stadträume tragen dazu bei den Stadtblock in seine Umgebung einzubinden und sorgen darüber hinaus für eine bessere Verknüpfung der umliegenden Freiflächen (Park, rote Saite, Quartiersplatz) miteinander.

Innenraum

Flexibilität
Wesentliche Anforderung an ein Gebäude in unklarer Umgebung, das den Anspruch hat, nachhaltig benutzbar zu sein, ist die Flexibilität seiner Nutzflächen.

Es wurde ein umlaufender, tragwerksfreier Nutzflächenring mit 5m lichter Breite konzipiert, der sich sowohl zum Wohnen als auch zum Arbeiten eignet.

Die Grundeinteilung besteht aus einer Folge von ca. 15m2 großen, nutzungsneutralen Räumen, die je nach Bedarf auch mehrere Funktionen gleichzeitig aufnehmen können und so für vielfältige Wohnformen geeignet sind.

Die dabei entstehenden Wohnungsgrößen passen exakt in den für Aspern festgelegten Schlüssel. Das Grundmodul besteht aus nebeneinander liegenden C-Wohnungen, die einfach in B + D bzw. A + E umgewandelt werden können. Selbstverständlich lassen sich auch Wohnungen mit herkömmlichen Zimmergrößen bzw. Sonderwohnformen und Arbeitsräume auf diesen Flächen organisieren.

Wiener Stiegenhaus
Der Kern jedes Hauses besteht aus einer zentralen Stiegenhalle, die durchschnittlich 35 Wohneinheiten erschließt. Als großzügige Treppenskulptur stellt sie sich in die Tradition der Wiener Gründerzeit-Stiegenhäuser.

Zahlreiche Durchbrüche und Lufträume sorgen für Sichtverbindungen und räumliches Drama. Damit lädt das Stiegenhaus ein zur Benutzung und bietet bei erhöhter Benutzerfrequenz auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich die Hausbewohner begegnen und kennenlernen können. Gleichzeitig wirkt die Großzügigkeit auch repräsentativ, wodurch das Stiegenhaus sich auch zum Erschließen von Gewerbeflächen eignet.

Gemeinsame Fahrrad-Garage
Alle Häuser sind mit einer gemeinschaftlichen Tiefgarage für Fahrräder verbunden. Über eine Rampe, die direkt zur Hauptstraße führt, können alle Häuser bequem angefahren werden. Ein übergroßer, Fahrrad-tauglicher Lift auf der gegenüberliegenden Seite stellt sicher, dass die Garage auch von weniger beweglichen Menschen gut erreicht werden kann.


Soziale Nachhaltigkeit

Hausgemeinschaft
Der Entwurf ist bestrebt dem Wunsch nach sozialer Nachhaltigkeit in Aspern gerecht zu werden. Der Bauteil E soll als „Haus-des-Lebens“ betrieben werden. Ein Haus des Lebens ist eine Hausgemeinschaft aus ca. 100 Personen, die zu etwa gleichen Teilen aus alten und jungen BewohnerInnen besteht.

Ein Hausbetreuer sorgt für den Kontakt zwischen den einzelnen Parteien und stellt Synergien her: Die kinderfreundliche Pensionistin beispielsweise vermittelt er als Babysitterin an die benachbarte, motorisierte Jungfamilie, die dafür den Wocheneinkauf mit besorgt.

Die für ein gemeinschaftliches Hausleben nötigen Flächen liegen direkt am Hauseingang, wo sie von jedem Bewohner gut erreicht werden können. Bei Bedarf können sie gemeinsam mit Foyer und Straßenraum zu einer großen Festebene werden.

Der von jedem Stiegenhaus aus barrierefrei erreichbare Waldhof im Inneren der Anlage verbindet die 5 Häuser zu einer Nachbarschaft.

Menschen mit besonderen Bedürfnissen spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des architektonischen Konzepts. Alle Wohnungen und die höher gelegenen Außenanlagen sind stufenlos erreichbar. Eine großzügige Rampenanlage im westlichen Teil des Grundstücks verbindet die innenliegende grüne Oase mit der Umgebung.

Alle Fahrrad- und Kinderwagenräume sind größer als gefordert und bieten so allen BewohnerInnen ausreichend Platz für ihre Kinderwägen und Fahrräder. Der Fahrradraum ist bequem über eine zur südlich gelegenen Hauptstraße führende Rampenanlage erreichbar. Auf der Nordseite des Fahrradraumes gibt es zusätzlich einen fahrradtauglichen Lift. Um die Sicherheit der Fahrräder zu gewährleisten werden alle Fahrradstellplätze mit Haltebügeln ausgestattet.

Diese vollwertige Tiefgarage für Fahrräder versteht sich auch auf symbolischer Ebene als ein Zeichen für die in Aspern geförderte umweltfreundliche Mobilität.

Ein Zusammenkommen aller Bewohner soll, neben dem „Haus des Lebens“-Konzept, durch attraktive gemeinsame Begegnungsräume gefördert werden. Gemeinsame Aktivitäten in einer Wohlfühlumgebung sollen den sozialen Austausch der Bewohner garantieren.

Die Wohnungen sind klar strukturiert und lassen sich durch den tragwerksfreien Nutzflächenring jederzeit beliebig, durch das Hinzufügen oder Entfernen einzelner Raumzellen und -einheiten, adaptieren.


Ökologie

Klima- und ressourcenschonendes Bauen
Im Sinne des klima- und ressourcenschonenden Bauens wird durch das integrale Planungsteam ein Optimum in Sinne der ökologischen und ökonomischen Kriterien erreicht. So wird zum Beispiel aufgrund der Kompaktheit des Baukörpers eine gute Energieeffizienz erreicht.

Weiters ist die Umnutzungsfähigkeit durch die gewählten lichten Raumhöhen bzw. die Flexibilität der Regelgeschoße gegeben. Die Rückbaufreundliche Bauweise ist durch eine grundlegende Homogenität in der Stoffauswahl gegeben wodurch weniger unterschiedliche Entsorgungswege berücksichtigt werden müssen. Eine leichte stoffliche Trennbarkeit der Baumaterialien soll eine sortenreine Trennung ermöglichen. Schadstofffreie und rezyklierbare Baustoffe beeinflussen den Lebensweg der eingesetzten Baumaterialien positiv im Hinblick auf das nachhaltige Bauen.

Die Wärmebereitstellung erfolgt über die am Grundstück zur Verfügung gestellte geothermische Fernwärme. Ein ausgeklügeltes, jedoch simples und somit wartungs- und instandhaltungsarmes Gebäudetechnikkonzept ermöglicht eine effiziente Wärmebereitstellung und eine bedarfsgerechte und hygienisch einwandfreie Warmwasserversorgung. Durch wassersparende Armaturen wird ein effizienter Trinkwasserverbrauch realisiert, der somit auch das Abwasseraufkommen reduziert.

Schlussendlich werden durch die Gebäudezertifizierung die ökologischen Anforderungen in Planung, Ausschreibung und Bauausführung in den gesamten Errichtungsprozess integriert und realisiert.

Gesundes und umweltbewusstes Bauen
Den zukünftigen Bewohnern wird durch die Verwendung von gesundheitlich unbedenklichen Bauprodukten eine hohe Wohnqualität gesichert. Um dies zu erreichen, werden Material- und Stoffgruppen, die mit entsprechenden Risikopotentialen verbunden sind, einzeln und produktbezogen abgefragt. Dadurch wird der Einsatz dieser Produkte unterbunden und während der Bauausführung geprüft.

Bauphysik
Das Projekt zeichnet sich durch eine kompakte Bauweise, hohe Speichermassen und energetisch optimierte Fensterflächen (Dreifach-Isolierverglasung) aus. So wird durch die architektonische Gestaltung ein besonders energieeffizientes Projekt konzipiert, das Anbringen überdimensionaler Wärmedämmungen kann wirkungsvoll verhindert werden. Die Ausführung erfolgt unter Verwendung von zertifizierten, ökologischen Produkten, welche frei von klimaschädlichen Substanzen sind. Bei der Projektierung wurde darauf geachtet, die Anzahl der Aufbauten und Materialien auf eine überschaubare Anzahl zu reduzieren (ressourcenschonend).


Ökonomie

Das Projekt unterliegt einer äußerst wirtschaftlichen Konzeption!
Folgende Voraussetzungen wurden geschaffen:
  • die maximale KOMPAKTHEIT der Baukörper schafft ein bestmögliches Oberflächen- / Volumsverhältnis. Dadurch ist ein äußerst wirtschaftlicher Materialeinsatz garantiert bei einer gleichzeitig bestmöglich optimierten Gebäudehülle – sowohl im Winter als auch im Sommer.

  • Trakttiefen: die auf eine natürliche Belichtung ausgerichteten Trakttiefen optimieren den Einsatz von Fensterflächen und schaffen gleichzeitig eine hohe Tageslichtausnutzung.

  • das Gesamtkonzept und die Konfiguration der Erdgeschoßzone schafft eine maximale AUSNUTZUNG des Grundstücks, sodass sich zusätzliche Kosten wie Fundierungskosten, Kostenbeitrag für Parkraumschaffung in einem verbesserten Verhältnis umlegen.

  • Trotz dieser sehr wirtschaftlichen Ausrichtung des Projektes ist durch die Anordnung von 5 verschieden Baukörpern eine sehr HOHE FLEXIBILITÄT gegeben, die sich in jedem einzelnen Baukörper durch die x-beliebige Anordnung der Wohnungstypologien wiederfindet.

  • Effizientes Stiegenhaus: ein Stiegenhaus (und damit ein Fahrstuhl) erschließt 35 Wohneinheiten. Durch diese effiziente Ausnutzung der Infrastruktur können die Betriebskosten für die Bewohner niedrig gehalten werden.

Landschaftsarchitektur

Ein Hof für Alle als Ort der Kommunikation ...
  • zwischen privat und öffentlich
    Die unterschiedlichen Freiräume bieten über Ihre Abstufungen der Öffentlichkeiten eine Vielfalt an gemeinschaftlichen Situationen. Von Privat (Balkone), der Geschoßgemeinschaft die sich ein Atrium teilt, der Hausgemeinschaft mit ihrem Gemeinschaftsraum und dem zugeordneten Vorplatz, dem Innenhof der die Begegnungsstätte der Häusergemeinschaft ist, den Keilen als Übergänge in den öffentlichen Raum bis hin zum öffentlichen Raum der mit unterschiedlichem Charakter an dem Bauplatz anschließt.

  • zwischen jung und alt
    Vielfältige Angebote für alle Altersstufen, vom Spielen (Sandmulde mit Findlingen, Trampoline) über das Ausruhen (Hängematten, Holzpodeste mit Beintrainern) bis zum gemeinsamen Essen an der großen Tafel im Zentrum des Hofes ermöglichen eine vielseitige Nutzung des zentralen Freiraums.

  • zwischen schattig und sonnig
    Ein Baumhain (Hauptarten: Tilia tomentosa und Acer platanoides) bildet das Zentrum des nicht unterbauten Innenhofes und definiert diesen dadurch als Gegenmodell zu den umgebenden öffentlichen Räumen als beschatteten und kühlen Ort. Dieser Hain wird ergänzt durch kleinere Bäume (Nutzbäume wie Prunus spp. und kleinere Arten wie Corylus colurna, Sorbus aucuparia).

  • zwischen Ruhe und Bewegung
    Die Geländesprünge zwischen den Straßen und dem Innenhof laden durch ihre keilförmige Öffnung der Gebäudestruktur in den Innenhof ein. Der Kern des Hofes ist aufgrund seiner Ausstattung und Gestaltung ein ruhiger Ort der Begegnung. Aufgrund der Erschließungsstruktur dient der Hof nur im geringen Maße als alltäglicher Durchgang. Dies bestärkt seine Besonderheit.

  • zwischen hart und weich
    Befestigte Flächen im Hof werden mittels Terraway-Belag einerseits leicht begehbar und gleichzeitig teilweise wasserdurchlässig ausgeführt. Der weiche Kern des Hofes strahlt auf die umliegenden öffentlichen Räume aus. Die drei Meter Vorzone wird mit Humusmulden zur Versickerung des anfallenden Wassers der befestigten Terrassen ausgestattet. Sie bildet so einen weichen Rahmen für den Bauplatz. An der roten Saite wird das Konzept des Gehsteigs (Tegula Platten) auf den Bauplatz erweitert. Eine durch Gräser und Stauden (sonnige Mischung: z.B. Achilleia, Echinacea, Miscanthus // schattige Mischung z.B. Aster, Persicaria, Anemona) dominierter innerer Ring im Hof, wird in den Unterbrechungen der Bebauung bis zum öffentlichen Raum fortgesetzt.

  • zwischen dunkel und hell
    Die mittels Wandaufsatzleuchten ausgeleuchteten inneren Zugänge erhellen den Hof in der Nacht. Die Treppenanlagen in den schmalen Einschnitten werden ebenfalls von Wandaufsatzleuchten markiert. Vereinzelt platzierte Mastaufsatzleuchten heben die Keile und das Zentrum des Hofes hervor.

Verkehrsanbindung

Öffentliche Verkehrsmittel
U2 (Seestadt)
Autobuslinien 97B, 290
Straßenbahnlinien 25, 26


Vergabe

ab Juni 2013, Anmeldung und Termin unter hausverwaltung@gartenheim.at.
Alle Wohnungen bereits vergeben!


Presse-Artikel

Das Projekt in diversen Zeitungsartikeln erwähnt